Warum es 2026 kein Wilwarin gibt

Das Wilwarin fällt aus. Der Grund ist wie so oft das liebe Geld.

Wir hören die Kritik, dass wir zu wenig und zu spät kommuniziert haben. Die Kritik ist berechtigt, und dafür möchten wir uns aufrichtig entschuldigen. Wir hätten unseren Struggle früher mitteilen und transparent damit umgehen sollen! Viele von euch sind schon lange dabei und fühlen sich von uns im Regen stehen gelassen. Das tut uns leid.

Wir organisieren das Festival in unserer Freizeit, neben Beruf, Familie und Alltag. Und jetzt müssen wir erstmal Verträge prüfen, Bands informieren, Dienstleistende kontaktieren, Rückerstattungen abwickeln und interne Entscheidungen treffen. Da fällt die Kommunikation nach außen oft als Erstes hinten runter. An dieser Stelle müssen wir besser werden, das nehmen wir mit.

Was wir jetzt tun können: euch transparent erklären, wie wir zu der Entscheidung gekommen sind.

Was passiert ist

Der Vorverkauf 2026 ist deutlich hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben. Bis zum 9. April 2026, also in fünf Monaten Vorverkauf, rund 2.000 Tickets verkauft. Das sind 25 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2025. Wir waren darauf eingestellt, dass der VVK nicht rosig wird, aber bei einem durchschnittlichen Verkauf von zehn Tickets pro Tag und 50 verbleibenden Tagen Vorverkauf wären wir bis zum Festival bei rund 2.500 Tickets gelandet.

Unser Break Even liegt bei etwa 3.400 Tickets. Selbst wenn wir unseren täglichen VVK in den letzten Wochen verdoppelt hätten, dann würden immer noch 400 Tickets fehlen.

Und diese utopische Lücke von 400 Tickets sind ein Minus von 70.000 Euro.

Was das konkret bedeutet

Das wären Rechnungen, die wir nicht hätten bezahlen können.

Schon 2025 haben wir draufgezahlt. Niemand von uns ist je davon ausgegangen, mit dem Wilwarin Geld zu verdienen. Das war nie der Punkt. Trotzdem haben wir uns für 2026 bewusst entschieden, es noch einmal zu versuchen, weil uns das Festival, unabhängige Kultur und die Menschen dahinter wichtig sind. Diesmal hätte das Defizit aber eine Größenordnung erreicht, die wir nicht mehr verantworten können.

Hinzu kommt etwas, das uns besonders wichtig ist: Viele unserer Partner:Innen, Dienstleister:Innen und Crews arbeiten seit Jahren zu Freundschaftspreisen mit uns. Diese gewachsenen Strukturen zu schützen ist für uns nicht verhandelbar. Eine Zahlungsunfähigkeit hätte genau die Menschen getroffen, die das Wilwarin über die Jahre erst möglich gemacht haben.

Unabhängig davon hätten wir uns mit einem „wird schon werden“ auch in den Bereich der strafbaren Insolvenzverschleppung bewegt.

Und noch etwas ist uns wichtig: Mit der jetzigen Absage halten wir uns die Möglichkeit offen, dass es ein Wilwarin auch in Zukunft geben kann. Hätten wir das Festival 2026 durchgezogen und an die Wand gefahren, wäre das Wilwarin tot gewesen. So nicht.

Warum wir nicht früher informiert haben

Ehrlich gesagt: Wir hatten schlicht nicht die Kapazitäten, das ordentlich zu kommunizieren. Die Entscheidung, transparent mit der Lage umzugehen, war intern längst getroffen. Aber ein Statement zu formulieren, das der Situation gerecht wird, haben wir nicht hinbekommen.

Das Wilwarin ist seit Jahrzehnten ein großer Teil unseres Lebens. Entsprechend schwer fällt es uns, das Ganze zu verarbeiten und gleichzeitig die richtigen Worte zu finden.

Die Konzerte in Kiel

Am ursprünglichen Festivalwochenende organisieren wir in Kiel eine Konzertreihe. Sie hat zwei Funktionen: Bands, die wir bereits gebucht hatten, sollen eine Bühne bekommen. Viele der Acts sind auf Tour, und an unserem Termin hängen oft weitere Tourdaten. Eine reine Absage hätte für die Bands bedeutet, dass auch ihre Routenplanung ins Wanken gerät. Mit der Konzertreihe in Kiel können wir zumindest einen Teil davon auffangen.

Außerdem versuchen wir damit einen Teil der bereits angefallenen Kosten vom VVK zu decken.

Zum Stand der Rückerstattungen

Stand heute sind etwa 50 Prozent aller Tickets zurückerstattet. Der Ablauf:

Alle Zahlungen über Giro, Visa, Apple Pay und Google Pay sind vollständig erstattet. Rückerstattungen über Link und Klarna laufen aktuell und sind fast abgeschlossen. Danach folgt PayPal.

Erschwerend kommt hinzu, dass unsere Bank aufgrund automatisierter Prüfsysteme mehrere größere Überweisungen blockiert hat. Wir arbeiten daran, das aufzulösen. Außerdem kann es selbst nach einer eingeleiteten Rückerstattung, die etwa Stripe bestätigt hat, fünf bis zehn Tage dauern, bis das Geld auf eurem Konto ankommt.

Wir müssen diesen Prozess geordnet abarbeiten, um nicht selbst den Überblick zu verlieren. Wir bitten euch dafür um Geduld und um Verständnis.

Falls ihr der Meinung seid, dass bei euch ein Fehler passiert ist, dann meldet euch bitte bei erstattung@wilwarin.de

Wilwarin neu denken

Das Projekt Wilwarin geht nicht mehr so auf wie in den letzten Jahren. Die Umstände haben sich verändert, das Verhalten beim Ticketkauf, die Kostenstruktur, das gesamte Umfeld für unabhängige Festivals. Was lange funktioniert hat, funktioniert in dieser Form nicht mehr.

Wenn es ein Wilwarin in Zukunft geben soll, müssen wir uns neu erfinden und unseren Platz in dieser veränderten Welt finden. Wie das genau aussieht, wissen wir heute noch nicht. Aber wir wollen uns die Zeit nehmen, das ehrlich zu durchdenken, statt einfach so weiterzumachen wie bisher.

Ein Appell

Erlaubt uns zum Schluss noch etwas, das über das Wilwarin hinausgeht.

Links und rechts von uns gehen gerade authentische, unabhängige Veranstaltungen pleite, während kommerzielle Anbieter den Markt übernehmen und monopolisieren. Wenn euch echte, unabhängige Kultur am Herzen liegt, dann unterstützt sie. Geht hin, kauft Tickets, redet darüber, bevor es zu spät ist.

Uns ist klar, dass das Geld gerade bei vielen knapp ist. Aber wo immer es geht: Versucht zu unterscheiden zwischen kommerziellem Großbetrieb und der Szene, die das Ganze überhaupt erst lebendig macht.

Zum Schluss

Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Das Wilwarin ist für uns kein Produkt, das man absagt, sondern ein Stück unseres Lebens, getragen von einer Crew, die mit Herzblut dabei ist und das Festival seit Jahren möglich macht.

Es tut uns leid, dass wir eure Erwartungen 2026 nicht erfüllen können. Wir sind selbst sehr traurig darüber.

Danke an alle, die uns über die Jahre begleiten und vielen Dank für euer Verständnis!

Eure Wilwarin Crew ❤


Kommentare

4 Kommentare zu „Warum es 2026 kein Wilwarin gibt“

  1. Avatar von Lina..

    Oh Mensch!
    Traurig zu lesen – aber tolles geschrieben! Wünsche euch konstruktive und kreative Zeit, guten Zusammenhalt und eine Menge mental Support und tatkräftige Unterstützung, dass ihr möglichst schnell – oder eben wenn es passt wieder am Start sein könnt…

    1. Avatar von Fabian

      Moin liebe Wilwarin Crew. Könnt ihr ein Signal senden, wann die Rückerstattung über Paypal erfolgen, damit wir es beim nächsten Wilwarin richtig krachen lassen können?

  2. Vollkommen verständlich. Schade nur, dass es so kurzfristig kommuniziert wurde. Vielleicht wäre für die nächsten Jahre ein transparenter Break-Even Counter gut, damit die Community aktiver Werbung machen kann und früher Tickets kauft um das Wilwarin stattfinden lassen zu können. Das Wilwarin wird mir dieses Jahr sehr fehlen! Auf dass es im nächsten Jahr stattfinden kann!

  3. Avatar von Klaus

    Schade, Schade, Schade. Würde immer wiederkommen. Leider war nach 2019 Schluss.
    Überweisung wird nicht angeboten und Surfline konnte auch keine Karten mehr verkaufen.
    Falls Ihr das ändert, bitte um Nachricht.
    Viel Erfolg für den Neubeginn.

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